Leserbriefe an die BiCon

Reaktionen auf den Leserbrief "Noch ein glorreiches Bauprojekt wie Flughafen oder Philharmonie"

Leserbrief von Herrn Knau

Ihr Leserbrief zum Regiohafen.

 

Sehr geehrte Frau Schulze,

 

ich beglückwünsche Sie zu Ihren aussagekräftigen Leserbrief. durch ihn habe ich auch Details erfahren, die mir bisher fehlten. Wir wohnen in der Ruhrstraße; sie verläuft parallel zum Kanal. Mein Schiegervater war Binnenschiffer, ist aber schon fast 50 Jahre tot. Insofern bin ich mit dem Lebenauf dem Kanal bestens vertraut.

 

Die Schiffahrt selbst stört uns praktisch nicht. Das Brummen der Schiffe ist am besten im Keller zu hören, denn die tiefen Töne breiten sich über die Erde aus. Eine Zumutung sind die liegenden Schiffe auf der anderen Kanalseite, wenn sie ihrenHilsmotor betreiben. Für einen Million DM wurden elektrische Anschlüsse installiert, aber es gibt nach unserer demokratischen Art keinen Anschlußzwang. Dann zerreißt am Sonntagmorgen, wenn der übliche Lärmpegel abgeklungen ist, so ein Motor die eingekehrte Stille. Als vor zwei Jahren der Kanal zugefroren war, lag ein Pole drei Monate lang da. Das Schiff hatte gar keinen el. Anschluß! Alles muß billig sein!

 

Die el. Anschlüsse wurden erst auf mein jahrelanges Betreiben hin geschaffen. Was ich da von den Stellen des Ministeriums und der Schiffahrtsverwaltung belogen worden bin, paßt ins Bild. Wissen Sie, daß der Kanal nur 5 % Kostendeckung hat. 95 % zahlt der Steuerzahler! Die Umweltbelastung wird totgeschwiegen. Dazu der Bericht zum Ausbau der Saale. Auch der Bau des Flughafens bei Moskau belegt, wie marode unser System ist.

 

Während die Kostendeckung des Kanals von 5 % totgeschwiegen wird, wird aus dem Naherkehr alles herausgepreßt. Stellen Sie sich vor, die Kostendeckung wäre hier genau so groß wie beim Kanal. Ein Fahrschein dürfte 50 Ct kosten und die Busse wären voll. So ist es in Meran. Schüler bis 14 Jahren und Rentner fahren frei. Sie erhalten einen Dauerkarte. Die Einzelfahrt kostet wohl 2 €, Mehrfahrtenkarten verbilligen das Fahren. So kostet die erste Fahrt an einem Tag 60 CT, die weiteren verbilligen sich bis 10 Ct. Man kann auch eine Dauerkarte erwerben. Die Fahrten werden dann monatlich abgerechnet; für einen Kilometer werden 8 Ct berechnet! Denken Sie an die Diskussionen bei uns, welcher Schüler eine Monatskarte erhält und welcher nicht. Die Kostendeckung in Meran berträcgt 16 %. Die EU verlangt, sie auf 35 % hochzusetzten. Warum verlangt sie das nicht auch beim Mittellandkanal? Übrigens, die Bahn muß die Kosten für ihren Fahrweg voll erwirtschaften, sie zahlkt für ihren Dieselkraftstoff auch die üblichen Steuern. Die Schiffahrt ist befreit.

 

Die Akteure der Geldverschwendung in Minden und in den Behörden werden wohl üblicherweise nie zur Rechenschaft gezogen. Dazu ein aufschlußreicher Beitrag.

 

[...]

 

Mit freundlichem Gruß

 

Udo Knau

Leserbrief von Herrn Rettich

 

Sehr geehrte Familie Schulze,

 

über Ihren Leserbrief zum Regioport habe ich mich sehr gefreut und hätte am liebsten zu jedem vollmundigen Beitrag der Politiker über das Projekt selbst einen Leserbrief geschrieben. Ich hatte mich schon vor zwei bis drei Jahren bei der Vorstellung des Projektes im Mindener Rathaus dagegen ausgesprochen, zumal ich als ehemaliger Eisenbahner einen Bahnanschluss auf der Cammerer Seite für ausgeschlossen halte. Nie und nimmer lässt die DB einen Gleisanschluss auf der freien Strecke zu, zumal noch vom hohen Bahndamm aus. Die gewünschte Trimodalität ist ein reiner Wunschtraum oder eine beabsichtigte Irreführung, nur um das Projekt durchzuboxen. Schon rein volkswirtschaftlich sind zwei Häfen am Kanal innerhalb von rund 500 m ein reiner Irrsinn; aber Berenbusch, das ja immerhin einen relativ unkompliziert reaktivierbaren Gleisanschluss besitzt, liegt für NRW im “feindlichen Ausland”. Ich gehe jede Wette ein und könnte es notariell beurkunden, dass der Regioport ein Flop und ewiges Euro-Grab wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

Wilfried Rettig

Minden

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